Science-Fiction in Hamburg

Eigentlich war ich davon ausgegangen, erst in Oktober das nächste Mal nach Deutschland zu reisen, zur Frankfurter Buchmesse nämlich, und eigentlich mache ich auch keine Einzeltermine. Aber dann meldete sich eine nette Frau vom Lübbe-Verlag und richtete mir mit "äußerst dringender" Empfehlung eine Einladung des Heyne-Verlags aus, ob ich nicht kurzfristig einspringen könne für einen Gesprächsabend zum Thema Science-Fiction im Rahmen des Hamburger Literaturfestivals "Harbourfront". (Daran kann man mal sehen, wie kollegial die Science-Fiction-Leute in den Verlagen miteinander umgehen!)

harbourfront-hamburg.com
Jedenfalls, die Bitte kam so charmant, dass ich nicht anders konnte als zuzusagen, und so werde ich nun am Samstag, dem 13. September 2014, um 20 Uhr in Hamburg in der St. Pauli-Kirche sein und zusammen mit Dietmar Dath und Sascha Mamczak über Science-Fiction reden. Ursprünglich eingeladen war übrigens Stephen Baxter, der aber verhindert ist.

Drittes Kapitel von "Der Jesus-Deal" online

jd
Und sie vergeht doch, die Zeit: Das dritte Kapitel der Leseprobe kann hier zum Zwecke der Vorfreudesteigerung gelesen werden.

Da mich etliche Anfragen erreichten, wie man denn wenigstens ein klitzekleines bisschen eher an das Buch kommen könnte, sei hier ganz unter uns auf Folgendes hingewiesen: Der offizielle Erscheinungstermin ist der Termin, zu dem die Buchhändler die Bücher in den Laden legen sollen. Oder ins Schaufenster. Oder, noch besser, aufgestapelt neben die Kasse. Wie auch immer. Aber angeliefert werden Bücher natürlich vorher. Und dann liegen sie erst mal hinten im Lager. Das heißt, wenn Sie das Buch bei der netten Buchhandlung um die Ecke vorbestellen (und es sich nicht gerade um "Harry Potter" handelt oder sonst ein Buch, bei dem um den Erstverkaufstag großes Brimborium geplant ist), dann kann es durchaus passieren, dass Ihnen der nette Buchhändler oder die nette Buchhändlerin das Buch auch schon vor dem Termin unauffällig über die Theke schiebt.

Wird jedenfalls berichtet … ;-)

Buchtipp: "Drohnenland" von Tom Hillenbrand

drohnenland
Schon seit einigen Jahren fällt mir auf, dass immer mehr interessante, innovative und lesenswerte Science-Fiction-Romane von Autoren geschrieben werden, die nicht aus der sogenannten Science-Fiction-Szene stammen. "Der Schwarm" war so ein Fall, "Die Frau des Zeitreisenden" ein weiterer, und nun haben wir wieder einen solchen Kandidaten: "Drohnenland" von Tom Hillenbrand.

Tom Hillenbrand war mir als Autor, ehrlich gesagt, bislang überhaupt kein Begriff. Sein bisheriges Oeuvre hätte auch nicht vermuten lassen, dass so ein Roman kommen würde, denn bisher hat er vor allem kulinarische Krimis und satirische Bücher geschrieben. Dass ich auf "Drohnenland" überhaupt aufmerksam wurde, verdankt sich zwei Umständen: erstens dem, dass ich auf der Rückfahrt von meinem Seminar bei der Bastei-Lübbe-Academy genug Zeit hatte, um in der Buchhandlung am Kölner Bahnhof zu stöbern, und zweitens dem Titel. Das Cover ist zwar ein Hingucker, aber um ein Haar hätte ich es beim Hingucken belassen, denn aus der Ferne betrachtet dachte ich, es zeige eine stilisierte Schallplatte, und vermutete, das Buch drehe sich um die Lebenserinnerungen eines Plattenladenbesitzers oder dergleichen.

Aber das Wort "Drohnen", das ist nun mal ein Reizwort. Also nahm ich das Buch zur Hand, schlug es auf, las die ersten zwei Seiten und war einfach schon mal von der Schreibe gefesselt. Da wusste jemand, was er tat.

Das reicht mir bisweilen. Gekauft.

Worum geht es? Nun, auch "Drohnenland" ist in erster Linie ein Krimi und wird auch als solcher angepriesen – nur: er spielt in einem weit in der Zukunft liegenden, sehr düsteren Europa, und es geht darin um einen Fall, der – wichtig! – so auch nur in diesem Setting spielen kann. Das Europa, durch das wir uns in diesem Buch bewegen, ist eine weit über die heutigen Grenzen ausgedehnte, mächtige Union, die Kriege in Afrika und im Nahen Osten geführt hat; es wird angedeutet, dass es in Nordafrika darum ging, die Versorgung mit Solarenergie sicherzustellen. Am Rande erfährt man, dass viele arabische Länder radioaktiv verseucht sind, Spätfolgen des Einsatzes atomarer Waffen.

(Zunächst allerdings stolpert man vor allem darüber, dass der modische Mann in dieser Zukunft nicht mehr Krawatte trägt, sondern einen Steinkirk. Ich habe mich das ganze Buch über gefragt, ob das ein erfundenes Wort ist, aber inzwischen habe ich nachgeschlagen und siehe da, das Wort gibt es: Es bezeichnet einen der Vorläufer der heutigen Krawatten und war so bis etwa 1720 gängige Mode. Google wusste es. Aber ich war zu gefesselt von dem Roman, um die Lektüre dafür zu unterbrechen.)

Die Welt im "Drohnenland" ist faszinierend stimmig bis in die Details: Autos fahren selbstverständlich automatisch, wegen des Klimawandels regnet es fast ununterbrochen, der größte Teil von Holland ist überschwemmt – und sein Bier in der Kneipe zahlt man mit Hundert-Euro-Münzen.

Vor allem aber ist das Europa von "Drohnenland" ein Überwachungsstaat, gegen den sich Orwells "1984" ausnimmt wie ein Kindergarten. Alles und jedes wird gefilmt, beobachtet und aufgezeichnet, von Milliarden großer, kleiner und kleinster Drohnen. Die gigantischen Datenströme werden von Künstlichen Intelligenzen ausgewertet und schaffen eine nahezu gottgleiche Allwissenheit, natürlich in bester Absicht, nämlich, der Bekämpfung von Verbrechen und Terrorismus dienend. Ein Mord ist typischerweise innerhalb von längstens 16 Stunden aufgeklärt. Umfassender Schutz, umfassende Sicherheit und umfassende Bequemlichkeit der Bevölkerung sind gewährleistet – wer braucht da noch so etwas Antiquiertes wie eine Privatsphäre?

Vor diesem Hintergrund wird eines Tages ein wichtiger Abgeordneter des EU-Parlaments ermordet, unter rätselhaften Umständen und ohne erkennbare Motivation. Und diesmal reichen sechzehn Stunden nicht, denn je länger die Untersuchungen dauern, desto mehr nehmen die Widersprüchlichkeiten und Unmöglichkeiten zu.

Die Geschichte von "Drohnenland" funktioniert auf allen Ebenen und liest sich enorm spannend, selbst für jemanden wie mich, der selten Krimis liest. Es ist erst Juli, aber ich bezweifle, dass mir in diesem Jahr noch ein besserer Science-Fiction-Roman unterkommen wird. Heftige Leseempfehlung deswegen für "Drohnenland" von Tom Hillenbrand, erschienen bei Heyne.

Die Lesereise im Herbst steht!

Heute kam die Mail aus dem Verlag: Die beiden Lesereisen im Oktober und November stehen nun fest. Wen das interessiert, kann im Kalender nachschauen, ob eine Veranstaltung in seiner oder ihrer Nähe sein wird. (Aber mich bitte nicht nach Details, Uhrzeiten usw. fragen: Alles, was ich derzeit weiß, steht im Kalender, und sobald ich mehr erfahre, wird es dort nachgetragen!)

Endlich! "Das Jesus-Video" als eBook!

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Seit ein paar Tagen ist es soweit: "Das Jesus-Video" ist auf allen üblichen Portalen als eBook erhältlich! Damit endet eine Phase, in der ich gefühlt alle zwei Wochen eine Mail erhielt mit der Frage, warum denn von all meinen Büchern ausgerechnet "Das Jesus-Video" nicht elektrisch verfügbar sei. Und ich dann immer antworten musste (wenn ich dazu kam): Geduld – es kommt!

Tatsächlich ist es eine Art Rückkehr, denn "Das Jesus-Video" war schon einmal als eBook erhältlich. Vor unausdenkbar langen Zeiten, als es nur das Rocket eBook gab. Ganze 65 Downloads wurden damals verkauft, innerhalb von zwei Jahren. Das war nicht das große Geschäft.

Nach der Pleite des Rocketbook-Herstellers verschwand die Idee des elektronischen Lesens erst einmal in der Versenkung, das eBook wurde für tot erklärt. Bis Amazon mit dem ersten Kindle die Auferstehung dieses Mediums einleitete und ihm den, wie man so sagt, endgültigen Durchbruch bescherte. Heute ist das elektronische Buch nicht mehr wegzudenken, und pflegeleichter ist es auch geworden. Und da der Verlag Bastei-Lübbe die Zeichen der Zeit früh erkannte und voll auf die digitale Zukunft setzte, erschienen auch alle meine bisherigen Romane nach und nach als eBooks.

Bis auf, eben, "Das Jesus-Video". Und das lag ausgerechnet daran, dass dieser Roman so erfolgreich war. Über die Jahre verkaufte und verkaufte er sich so gut, dass Droemer-Knaur, Rechtsnachfolger des Schneekluth-Verlags, bei dem für mich vor inzwischen rund zwanzig Jahren alles angefangen hat, sich die Rechte noch ein wenig länger gesichert hatte, aber andererseits nicht lange genug, als dass man es als lohnend erachtet hätte, den Roman auch als eBook herauszubringen. Mit Beginn des Jahres 2014 wanderten die Rechte zu Bastei-Lübbe, wodurch sich die absonderliche Situation ergab, dass mein erfolgreichster Roman eigentlich nicht mehr lieferbar war. Wer dieses Jahr ein gedrucktes Exemplar ergattert hat, hat eines der Exemplare, die Droemer-Knaur noch abverkaufen darf; neue Auflagen dürfen jedoch nicht mehr gedruckt werden.

Das ist nun Sache von Bastei-Lübbe. Eine neue Taschenbuchausgabe wird zeitgleich mit dem "Jesus-Deal" auf den Markt kommen, doch da die Herstellung eines eBooks naturgemäß schneller geht, hat man beschlossen, es schon jetzt verfügbar zu machen. Besitzer von Tolinos, Kindles oder anderen Lesegeräten haben diesmal also einen Vorsprung.